Akademiker oder gleichwertige Alternative?

Akademiker oder Alternativen?

Besonders große – vereinzelt auch kleinere – Unternehmen messen einem akademischen Abschluss immer noch einen hohen Wert bei. Sie verfahren nach dem  Motto: Ein Bewerber ohne Studium ist den Herausforderungen der zu besetzenden Stelle nicht gewachsen. Bewerbungen ohne Hochschulzeugnis werden gnadenlos aussortiert. Ist es noch zeitgemäß, die Qualifikation als Auswahlkriterium Nummer eins zu betrachten? Oder vergeben sich Unternehmen damit die Chance, weil sie das Potenzial qualifizierter Bewerber mit erfolgreicher Weiterbildung ignorieren?

Nicht-Akademiker aussortieren: Wann ist das ein Fehler?

Meister und Bachelor gleichwertig

Klar: Verschiedene Berufsgruppen wie Ärzte, Rechtsanwälte oder Wissenschaftler gibt es nur mit Hochschulabschluss. Doch es gibt viele andere Beispiele: Besonders bei kaufmännischen und technischen Berufsbildern bietet der Arbeitsmarkt interessante Alternativen. Nach dem Ausbildungsabschluss können sich bspw. Mitarbeiter für den Weg zum Meister und anschließend zum Techniker entscheiden. Seit 2012 stehen der Meisterabschluss und der staatlich geprüfte Techniker übrigens mit dem Bachelor auf gleicher Stufe.

Berufserfahrung und Gehaltsunterschiede

Neben der formalen Gleichstellung mit dem Bachelor konnten Techniker und Meister mehr Berufs- und Praxiserfahrung sammeln, als ein gleichaltriger Hochschulabsolvent. Sie stehen in der Regel mitten im Leben und gelten als gefestigte Persönlichkeiten, da sie „ihr Handwerk“ von der Pike auf gelernt haben. Gleichzeitig rangieren sie in der Gehaltsstufe unter den Kollegen mit Bachelor oder Master.

Verweildauer und Hands-On-Mentalität

Meist bleiben Nicht-Akademiker den Unternehmen länger verbunden, während Hochschulabsolventen sich auf ihre Karriere konzentrieren. Und: Nicht-Akademiker –  scheuen eher nicht davor zurück sich mal „die Hände schmutzig“ zu machen.

Führung und Diversität

Teams profitieren von Diversität – klar. Neben Unterschieden bezüglich Berufserfahrung, Firmenzugehörigkeit und Herkunft spielt auch die Qualifikation eine wichtige Rolle. Besonders kleinere Unternehmen sollten diesen Aspekt beachten.

Sie wollen eine Führungsposition neu besetzen? Ein Nicht-Akademiker kann seinen Mitarbeitern auf Augenhöhe begegnen – schließlich kennt er die Anforderungen des Jobs selbst ganz genau, weil er den Job viele Jahre selber ausgeübt hat.

Potenziale im Auswahlprozess nicht übersehen

Ein mehrstufiges Auswahlverfahren kann Sie dabei unterstützen, Bewerber ohne Hochschulzeugnis vorschnell auszusortieren. Führen Sie ein Telefonat oder Vorabinterview mit Kandidaten, denen Sie wegen des fehlenden Hochschulabschlusses abgesagt hätten. Alle Bewerber sollten die gleichen Fragen beantworten. Vereinbaren Sie zusätzlich Schnuppertage im Unternehmen und lernen Sie die Kandidaten intensiver kennen. Schließlich nützt es niemandem, wenn der Bewerber mit Hochschuldiplom fachlich perfekt zum Stellenprofil, menschlich jedoch nicht zur Unternehmenskultur passt. Persönlichkeitstests können zusätzlich helfen, um objektiv zu entscheiden.

Akademiker – ja oder nein? Ein Vorschlag für Entscheider

Sie kennen jetzt die Vorteile von Nicht-Akademikern und wissen, wie Auswahlprozesse optimiert werden, um sie nicht vorschnell auszusortieren. Doch was machen Sie, wenn auf der Führungsebene Uneinigkeit herrscht?

Versuchen Sie folgendes Experiment: Stellen Sie einen Nicht-Akademiker mit Weiterbildung und passenden fachlichen Voraussetzungen ein. Nach sechs, zwölf und 24 Monaten beurteilen Sie seine Leistung. Nun vergleichen Sie das Ergebnis auf fachlicher Ebene – so weit wie möglich –  mit der Leistung eines Akademikers mit ähnlichen Voraussetzungen. Wer hat das Unternehmen weitergebracht?

Fazit: Überlegen Sie konkret, wen Sie lieber beschäftigen – einen Akademiker mit drei Jahren Berufserfahrung oder einen gleichaltrigen Meister mit zwölf Jahren Branchenerfahrung in drei verschiedenen Betrieben? Hochschulzertifikate haben ihre Berechtigung. Gleichzeitig sollten Unternehmen das Potenzial von Nicht-Akademikern erkennen und für sich nutzen. Bleiben Sie als Entscheider mit anderen Entscheidungsträgern im Dialog und treffen Sie die für den Betrieb beste Wahl.

Wie ist Ihre Meinung? Lassen Sie es mich wissen! Wenn Sie weitere Denkanstöße oder Hilfe benötigen, ich helfe gern.

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