Quereinsteiger: Große Chance oder besonderes Risiko?

Quer- und Seiteneinsteiger verteilen sich sehr ungleich in der Berufswelt: in einigen Branchen sind sie häufig anzutreffen, in anderen Sparten gelten sie als Exoten.  Fehlen geeignete Fachkräfte, kommt das Thema Quereinsteiger bei Personalverantwortlichen auf den Tisch – völlig unabhängig von der Branche und möglicher Vorerfahrungen.

Das Thema „Quereinstieg“ wird von verschiedenen Seiten beleuchtet um zu zeigen, worauf es beim Recruiting und der Einarbeitung ankommt.

Wo Quereinsteiger willkommen sind

Ein Bewerber gilt als Quer- oder Seiteneinsteiger, wenn er ohne einschlägige Berufsausbildung oder Branchenerfahrung sein Aufgabenfeld oder die Sparte wechselt.

Ein klassisches Berufsfeld für Quereinsteiger sind Pflegeberufe. Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Quereinsteiger unter Lehrern stetig zu und auch größere Firmen, wie die Deutsche Bahn, öffnen sich für branchenfremde Mitarbeiter. In den genannten Fällen liegt der Grund dafür auf der Hand: ein Mangel an Fachkräften.

Im Gegensatz dazu fallen Branchenneulinge im Vertrieb kaum auf. Diese Sparte steht Quereinsteigern schon immer offen – eine Seltenheit auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

Eine besondere Situation zeigt sich in der Politik – ebenfalls ein klassisches Feld für Quereinsteiger. Als Berufspolitiker gehört es zum Portfolio, verschiedene Ressorts zu bedienen: Fraktionsvorsitz, Finanzressort, Umwelt – nur wer die Herausforderungen aller Bereiche souverän meistert, kann seine Ambitionen auf eine politische Karriere in die Realität umsetzen.

Der Exot: Quereinsteiger in Deutschland

Grundsätzlich fristet das Thema „Quereinstieg“ im Arbeitsleben in Deutschland ein stiefmütterliches Dasein: Personaler bevorzugen eine geradlinige Vita, das ideale Maß an Berufserfahrung – Erfahrung ja, zu häufige Wechsel nein – sowie eine einschlägige Ausbildung und Branchenkenntnisse. Bei Fachkräften steht die fachliche Expertise im Fokus.

Der Blick über die Landesgrenzen zeigt: Unternehmer in vielen Ländern geben Quereinsteigern eine Chance. Australien und Neuseeland gelten als Pioniere auf dem Gebiet.

Mitarbeiter ohne Fachausbildung: Das verkannte Potenzial

Kein Personalentscheider erkennt an den Unterlagen, ob der Bewerber mit klassischem Lebenslauf und einschlägiger Berufserfahrung eine höhere Arbeitsleistung erbringt als ein Quereinsteiger, der für den Job brennt.

Dieser bringt womöglich wertvolle Impulse in das Unternehmen, weil er eine andere Perspektive einnimmt, als ausgebildete Fachkräfte. Die passende Mischung aus „alten Hasen“ und Neulingen bringt eine neue Dynamik ins Team und steigert die Kreativität.

Sparen Sie Geld mit Quereinsteigern

Und vergessen Sie nicht: Quereinsteiger verdienen weniger als die ausgebildeten Fachkollegen. Wenn Sie sich entschließen, einen neuen Mitarbeiter aus der Arbeitslosigkeit oder im Anschluss an eine Umschulung einzustellen, erhalten Sie zusätzlich eine Förderung durch die Agentur für Arbeit.

Grundsätzlich können Unternehmen aller Branchen von Quereinstiegen profitieren – unabhängig von der Berufsgruppe und der Organisationsebene.

Trotzdem sind einige Aspekte zu beachten, damit die Zusammenarbeit klappt.

So nicht: Warum das Projekt möglicherweise scheitert

Ein Unternehmen, das sich für Quereinsteiger öffnet, muss einerseits Bedingungen schaffen, damit das Experiment funktioniert. Gleichzeitig gilt es, den neuen Mitarbeiter genau zu beobachten.

Diese Faktoren verhindern erfahrungsgemäß den Erfolg:

  • Es findet sich kein geeigneter Kollege, der das Mentoring übernimmt. Quereinsteiger einzuarbeiten erfordert Geduld – sie aufzubringen kann der Vorgesetzte nicht einfach anordnen.
  • Eine verlängerte Einarbeitungszeit ist nicht möglich.
  • Der Chef übernimmt die Einarbeitung. Er kümmert sich weder um das Wohlbefinden des Neulings noch steht er für regelmäßige Feedback-Gespräche zur Verfügung.
  • Die finanziellen Mittel für Schulungen und Weiterbildungen fehlen um den Quereinsteiger auf das gewünschte Level zu bringen.
  • Ein Quereinsteiger wird sofort unbefristet angestellt. Besser: Bezahltes Probearbeiten und anschließend ein befristeter Vertrag.
  • Die Motivation des Quereinsteigers reicht nicht aus. – Möglicherweise stellt er dies selbst erst nach einiger Zeit fest oder der Job war nur eine Verlegenheitslösung.
  • Die Mischung aus „alten Hasen“ und Quereinsteigern passt nicht.

Fazit: Ein strukturierter und mehrstufiger Auswahlprozess schafft in jedem Fall Klarheit. Unterlagen eines interessanten Bewerbers vorschnell auszusortieren, weil er einen Quereinstieg anstrebt, sollte vermieden werden. Ein persönliches Gespräch am Telefon lohnt sich immer.

Wie ist Ihre Meinung? Lassen es mich wissen! Wenn Sie weitere Denkanstöße oder Hilfe benötigen, ich helfe gern.

Dieser Beitrag wurde unter Blog veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.